Marcel Steiner-Kolumne: Perfekter Saisonabschluss

Die Woche zwischen St.Agatha und Mickhausen war kurz und stressig. Zudem hatte ich mein Auge noch auszukurieren, das ich mir am Samstagabend in St.Agatha verletzt hatte. Trotzdem versuchten wir den LobArt Mugen V8 so gut wie möglich zu Hause in der Schweiz vorzubereiten. Nachdem wir bereits am Donnerstagabend losfuhren und kurz vor Mitternacht im Fahrerlager ankamen, konnten wir am Freitag die letzten Arbeiten ausführen. Bei nur leicht feuchter Straße merkte ich bereits bei der Streckenbesichtigung, dass unter diesen Bedingungen überhaupt kein Grip vorhanden war. Da die Strecke am späteren Nachmittag gesperrt wurde, die Wagenabnahme schnell erledigt und der Rennwagen zügig fertig war, konnten wir zeitig Feierabend machen.

Der Trainingssamstag fand bei angenehmem Herbstwetter statt. Um die Mittagszeit stand ich dann das erste Mal an der Startlinie. Ich musste mich aber noch etwas zurückhalten, um meine neuen Bremsbeläge und Bremsscheiben einzufahren. Daher waren die Bremspunkte noch sehr früh gesetzt. Ansonsten war ich mit dem Fahrverhalten zufrieden. Unser Basis-Set-Up scheint also langsam zu stimmen. In 50.693 musste ich mich wiedermal um rund 1/10 hinter Partik Zajelsnik (Norma M20 FC Mugen) anstellen. Hinter uns lag eine große Lücke von 3.5 Sekunden und mehr auf den Rest des Feldes. Vor dem 2. Training kontrollierten wir nochmals die neue Bremse und verstellten den hinteren Stabilisator etwas. Nun konnte ich meine Bremspunkte weiter nach vorne rücken, dies ergab eine Steigerung von 1.6 Sekunden auf 49.030, womit ich nun rund 0.6 Sekunden vor Patrik die Führung übernehmen konnte. Dahinter klaffte immer noch ein Loch von 3 Sekunden und mehr. Im 3. Probelauf wurde es bereits etwas kühler und die Sonne wollte die Reifen auch nicht mehr so richtig aufwärmen. Ich entschied mich daher für eine andere Reifenmischung und ein leicht angepasstes Fahrwerk. Kurz bevor ich zur Startlinie rollen musste, konnte ich gerade noch 49.810 auf der Anzeigetafel für Zajelsnik lesen. Er konnte sich also nicht mehr verbessern. Der Start gelang mir super, die Einfahrt in den Wald bei der „Antoniusbuche“ war sehr zügig. „Karussell“ und „Waldkurve“ gingen flott, im „Regal-S“ nur ein leichter Lupfer am Gas und danach noch durch die Zielschikane… 48.129 wurde für mich gestoppt. Das Auto fühlte sich auf der ganzen Stecke richtig gut an und wenn ich einen weiteren Trainingslauf gehabt hätte, wäre wohl noch mehr gegangen. Aber es war ja nur Training…

Leider bewahrheitete sich der Wetterbericht und in der Nacht kam der gemeldete Regen. Dieser hielt  bis in den frühen Morgen hinein, zudem nieselte es danach immer wieder leicht und es war massiv kälter als tags zuvor. Wobei ich bei meiner Streckenbegehung eher besseren Grip feststellte als Freitags. Der 1. Rennlauf ging dann sehr zügig und ohne größere Unterbrechungen rum. Daher war klar, dass die Strecke definitiv noch nass war und wir den LobArt mit Regenreifen und Regen-Set-Up bestücken mussten. Laut Wetterbericht war aber auch schon fast zum Vornherein klar, dass dieser Wertungslauf wohl keine Bedeutung haben wird, da es nicht mehr regnen sollte und erstmals in Mickhausen nur die besten zwei Zeiten aus den drei Rennläufen in die Wertung gelangten.

Aber nun wieder zum Geschehen: Der Start war schon mal heikel und mein Augenmerk lag darauf,  dass die Räder nicht zu sehr durchdrehen. Dies gelang mir gut, aber auch auf dem Rest der Strecke war Vorsicht geboten. Meine 1.01.255 bedeutete Laufbestzeit. Hinter mir bot sich aber ein völlig neues Klassement: An zweiter Stelle lag Romeo Nüssli (Ford Escort, 1.02.681), vor Christoph Lampert (Osella PA2000, 1.03.060) und Karl Schagerl (VW Golf Rally, 1.05.646), Patrick Zajelsnik verlor fast 5 Sekunden.

Als die Piste langsam abtrocknete wurde sie, wie bei der Freitagsbesichtigung, richtig schmierig und rutschig, was einigen Fahrern zum Verhängnis wurde. Durch die Verzögerungen trocknete die Straße aber immer mehr ab und für mich wurde es zum Reifenpoker. Schlussendlich entschied ich mich für Slicks, behielt aber die Regenabstimmung bei. Der Start und die Startkurve waren dann auch schon komplett trocken und im Radar bei der „Antoniusbuche“ war ich mit 222 km/h ganz flott unterwegs. Der Waldeingang wäre auch trocken gewesen, ich wollte aber nach dem letztem Jahr nichts riskieren und habe ein wenig Speed rausgenommen. „Karussell“ und „Waldkurve“ waren noch feucht und rutschig, im „Regal-S“ war die Ölflagge draussen, die Strecke war aber mehrheitlich trocken und es wäre mehr gegangen an dieser Stelle. Im Ziel trennten Zajelsnik und mich genau 1/10 Sekunde, wobei mit besserem Ausgang für ihn. Lampert (57.405) folgte vor Simon Hugentobler (Raynard F3000, 59.007).

Der 3. und nahezu trockene Wertungslauf musste also die Entscheidung bringen. Wir stellten den LobArt wieder auf die Einstellung vom 3. Trainingslauf zurück. Motiviert und entschlossen gelang mir ein sehr guter Start. Im Radar hatte ich dann fast unglaubliche 229 km/h. Auch sonst versuchte ich ans 3. Training anzuknüpfen. Leider hatte es auch noch einige feuchte Flecken, die das Auto unruhig machten. Dies ergab dann 49.258, wobei Patrik auf 50.035 kam. Somit erreichte ich in der Addition der beiden schnellsten Läufe einen Vorsprung von knapp 7/10 Sekunden und konnte nach 2010 und 2012 zum dritten Mal den Gesamtsieg in Mickhausen einfahren. Den letzten Podestplatz sicherte sich Christop Lampert vor Simon Hugentobler.

Ein Sieg beim Bergrennen Mickhausen ist immer sehr speziell. Wenn die Autos bei der Rückführung runterrollen, stehen noch hunderte Zuschauer und Fans Spalier. Die Siegerehrung gleich danach zusammen mit den Zuschauern gibt es so bei keinem Bergrennen! Es ist eine große Ehre, sich so als Sieger feiern zu lassen. Der perfekte Saisonabschluss!

Somit waren die zwei Auslandstarts innerhalb einer Woche doch sehr erfolgreich. Auch wenn das Resultat von St.Agatha auf den ersten Blick vielleicht nicht ganz so ausschaut. Dennoch konnte ich bei diesen beiden internationalen Rennen die Performance des LobArt Mugen nochmals checken und beweisen, dass wir erfolgreich um Podest und Siege mitkämpfen können. Über den Winter wollen wir nochmals versuchen, das Auto weiterzuentwickeln und schneller zu machen, um weiterhin erfolgreich im In- und Ausland um Spitzenresultate kämpfen zu können. An dieser Stelle möchte ich mich nochmals bei allen, die in irgendeiner Weise an diesem Auto und Projekt mitgeholfen haben, recht herzlich bedanken! Ohne Euch wäre dies nicht möglich gewesen.

Auf ein weiterhin erfolgreiches 2018…

Euer
Marcel Steiner