Wachablösung mit Meisterkrönung in Unterfranken

Mit dem 50. Jubiläums-Bergrennen Unterfranken schließt sich der Kreis beim GAMSC Würzburg. Seit 1966 hatte der Deutsch-Amerikanische Motorsport Club alljährlich das Bergrennen in Eichenbühl bei Miltenberg veranstaltet. Nur im Jahr 1978 war die Strecke hinauf nach Umpfenbach nach einem Unwetter nicht befahrbar und das Rennen musste abgesagt werden. Fünf Jahre später übernahm Peter Thumbeck als bislang dritter Rennleiter das Regiment. Seit 2008 zusätzlich auch aus GAMSC-Präsident, führte der Nürnberger den Club und das Rennen in seiner konsequenten Art und Weise zu vielen Erfolgen.

Jetzt soll also Schluss sein für die GAMSC´ler und mit dem Bergrennen vom vergangenen zweiten September-Wochenende ging eine Ära wie am Schnürchen zu Ende. Das Feuer der Begeisterung wird in den nächsten Wochen und Monaten an den vor gut einem Jahr neu gegründeten MSC Erftal übergeben. Noch gilt es einige letzte Hürden, wie die Übergabe des gesamten Aufbaumaterials aus dem Weg zu räumen, doch ab 2018 soll und wird MSC-Präsiden Steffen Hofer und die schon über 150 Mitglieder des MSC Erftal die Fäden der Organisation vollends in die Hände nehmen. Zahlreiche GAMSC´ler wollen ihren Nachfolgeclub dabei tatkräftig unterstützen und so dafür sorgen, dass ihr „Lebenswerk“ weiter besteht. Bodenständig wurde das 50er Jubiläum gefeiert und Zuschauer wie auch die Aktiven eine nahezu perfekte Rennveranstaltung geboten. Am Samstagabend präsentierten MSC-Pilot Nils Abb zusammen mit der örtlichen Feuerwehr eine stimmungsvolle Foto und  Video-Show aus den letzten Jahrzehnten im randvoll besetzten Festzelt. Die 51. Rennveranstaltung auf der Kreisstraße St 507 wird dann am 08. und 09. September 2018 unter dem neuen Namen „Bergrennen Eichenbühl“ laufen.

Der Trainingstag begann ungemütlich bei herbstlich, kühlem Nieselregen. Ab dem Mittag trocknete es jedoch ab und der Renntag am Sonntag verlief sonnig aufgelockert und trocken. Packendem Bergrennsport stand somit nichts im Wege. Die Frage nach dem Gesamtsieger 2017 war wie erwartet schnell zu Gunsten von Uwe Lang geklärt. Der Mann vom MSC Sennfeld fuhr mit seinem Osella BMW vorne weg und siegte klar vor Frank Debruyne im AST-Dallara F303. Rang drei hatte der Vorarlberger Peter Amann in seinem ex-Merli Osella PA 2000 Honda im Visier. Der Kaffee-Importeur rangierte nach Lauf 1 an der Spitze der 2-Liter Klasse und zugleich auf Gesamtrang drei, bevor anschließen 200 Meter vor dem Ziel, wegen einer Kleinigkeit das technische Aus kam. Seine Position übernahm Thomas Conrad, dessen Renault-Motor im CRS-Eigenbau-Sportwagen nach Motorschaden nun wieder lief. Der Schwabe kappelte sich lange mit dem Badener Dino Gebhard (Osella BMW), mit dem besseren Ende für sich. Noch in der Eingewöhnungsphase steckend, folgte Mathieu Wolpert mit seinem neu angeschafften Dallara F303 auf Rang fünf und zweiter in der Klasse. Georg Lang touchierte im Formel Renault anfangs leicht eine Leitplanke und erreichte nur langsam das Ziel. Dabei behinderte er wohl Frank Debruyne, der danach eine Laufwiederholung zugesprochen kam.

Viel Arbeit in den heimischen Werkstätten hatten Holger Hovemann (nach Unfall in Osnabrück) und Björn Wiebe (Crash in Oberhallau). Hovemann steuerten den brachialen Opel Kadett C GT/R V8 ohne Fehl und Tadel auf Gesamtrang sechs. Für Björn Wiebe stand die Bergmeisterschaft auf dem Spiel. „Just in Time“ wurde der ex-BTCC Renault Laguna wieder aufgebaut und noch am Freitagnachmittag auf einem Flugplatz erfolgreich getestet. Pünktlich zu den Trainingsläufen konnte Björn wieder ins Geschehen eingreifen und Rang drei in der E1-Klasse bis 2000 ccm Hubraum reichte dem Hunsrücker zum vorzeitigen Gewinn der Deutschen Bergmeisterschaft 2017. Auch im DMSB Berg-Cup für Tourenwagen hat Wiebe alle Trümpfe in der Hand. Nur noch Norbert Handa (Lancia Delta), der überraschend seine E1-Klasse über 3-Liter gegen Porsche-Pilot Herbert Pregartner gewinnen konnte, steht Wiebe in Sachen „Doppel-Meisterschaft“ in den Füßen. Die Entscheidung wird hier erst beim Finale von Mickhausen fallen.

Kommen wir zu den einzelnen Klassen: „Ladys-Cup“ hieß die Losung in der Gruppe G-LG5, denn der Nachwuchs zweier „Bergrenn-Familien“ trat gegeneinander an. Michelle Bläsius siegte bei ihrem ersten Bergrennen gegen Sophia Faulhaber (beide BMW 316), die aber im dritten Lauf die schnellste Einzelzeit zustande brachte. Eine Klasse höhe gewann Rainer Schönborn (BMW) und landete in der Gruppenwertung hinter dem Sieger Harald Ludwig (Audi R8) und dem zweiten Hans-Joachim Brett (BMW Z4) auf Platz 3. Josef Forster (Peugeot 306) war schnellster von dreien in der Gruppe N. Die Gruppe A/F glänzte erneut mit vollen Klassen. Leichtes Spiel hatten bis 1400 ccm Detlef Schröder (VW Polo), bis 1600 ccm Markus Fink (Citroen C2) und über 2000 ccm ex-Europameister Roland Wanek (Mitsubishi). Kai Neu im Ford Fokus ST hatte es zwar schwerer, siegte aber dennoch nach anfänglichem Rückstand gegen Markus Goldbach (Renault Megane) doch noch um 1,2 Sekunden nach drei Läufen in der 2-Literklasse.

Im Dunstkreis des KW Berg-Cup überraschten zwei Fahrer ihre Gegner mit Klassensiegen. In der hart Umkämpften Klasse bis 2 Liter feierte der Tiroler Thomas Strasser (VW Scirocco 16V)nach einer beruflich bedingten Pause von vier Rennen, ein eindrucksvolles „Mini-Comeback“  und blieb erfolgreich über Dirk Preisser (Opel Kadett C 16V), der am Ende nur 3/10 Sekunden zurück lag. Der zweite Überraschungssieg gelang dem jungen Allgäuer Marcel Gapp im BMW M3 E36, immerhin vor einem Routinier wie Bernhard Permetinger im BMW M3 E30. Am Tag zuvor legte Helmut Knoblich mit dem flinken Mini noch die schnellsten Zeiten auf die rund drei Kilometer langen Bahn, doch schon im ersten Rennlauf fand sich der Bayer bei Posten 8 in der Böschung wieder. Einer von ganz wenigen Unfällen in Knoblichs langer Karriere. Eine weiteres Mal auf dem Siegertreppchen standen: Jürgen Schneider (VW Polo / 1150 ccm), Armin Ebenhöh (VW Scirocco / 1400 ccm), Stefan Faulhaber (Opel Kadett C 16V / 1600 ccm) und Jörg Davidovic in der NSU-Bergpokal-Wertung.

Einmal kurz nachgerechnet, steht neben dem neunen Deutschen Automobil Bergmeister Björn Wiebe, mit Uwe Lang vorzeitig der Gewinner des DMSB Berg-Cup für Sportwagen fest. Frank Debruyne kann theoretisch mit Lang noch punktemäßig gleichziehen, muss aber noch ein Resultat streichen. Also auch herzlichen Glückwunsch an Uwe Lang! Einen herben Dämpfer mussten die „Bergfreunde“ im DMSB Berg-Team-Cup hin nehmen. Durch den Ausfall von Michael Rauch (Opel Kadett C 8V) gingen die „Bergfreunde“ leer aus. Noch ist jedoch nichts verloren, aber Björn Wiebe, Kai Neu, Markus Goldbach und Thomas Conrad, zusammengefasst und der Bezeichnung „Powered by Wiebe“, haben klar die besten Chancen den Titel einzufahren. Also harren wir den Dingen, die in drei Wochen beim Finale am Mickhausener Berg, auf uns zukommen.

Über Thomas Bubel 240 Artikel
Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.