Dicke Luft am Mont Dore – Eine Momentaufnahme der Berg EM

Die Berg-Europameisterschaft entwickelt sich derzeit mehr und mehr zur Farce. Der sportliche Wert des einst so glorreichen Championats leidet. Dies wurde am vergangenen Wochenende beim neunten von zwölf Veranstaltungen am Mont Dore im französischen Zentralmassiv deutlich. Ein Grund dafür ist das Wirrwarr der nationalen Klassen und Gruppen, die nicht immer mit den FiA-Gruppen der EBM konform gehen. Dazu sinkt die Anzahl der Fahrer die permanent in der Berg-Europameisterschaft aktiv sind. Mit gutem Willen kann man aktuell 22 Aktive benennen die an der EM teilnehmen. Acht bei den Produktionswagen und GT sowie 14 bei den Renn- und Silhouettenfahrzeugen.

Die einst vollbesetzten Produktionswagengruppen N und A, wo sich die Mitsubishis und Subarus tummelten sind verweist. Die Homologationen dieser Fahrzeuge laufen oder liefen aus und diejenigen die begonnen hatten, brechen nach und nach die Saison ab. Kurios ging es in diesen Gruppen am Mont Dore zu. Die beiden Tschechen Lukas Vojacek (Subaru Gruppe A) und Tomas Vavrinec (Mitsubishi Gruppe N) waren allein auf weiter Flur und kassierten als Gruppensieger halbe EM-Punkte. Vavrinec  landete mit seinem Lancer Evo 9 im zweiten Lauf in der Botanik und schleppte sich nach einer Notreperatur im letzten Lauf in über vier Minuten, fast eineinhalb Minuten länger als im ersten Durchgang  den Berg hoch, um wenigstens noch seine halben EM-Zähler zu retten. Vojacek „überführte“ drei Mal seinen Impreza STI WRX sichtlich unmotiviert ins Ziel – wen wundert´s.

Ärger und Diskussionen gab es in der Gruppe der GT Fahrzeuge, die zusammen mit den Gruppen N und A einen eigenen Europameister der Kategorie 1 ausfahren. Die Ginetta G55 GT3 des Spaniers Sanchez wurde vorab noch wegen einer fehlenden GT3-Homologation noch in die Gruppe E2-SH umgestuft, in der danach Vladimir Vitver im Audi TT-R DTM nicht mehr als „Alleinunterhalter“ unterwegs war. EM-Leader „Tessitore“, der seit dem EM-Lauf in Polen seinen Porsche gegen einen Audi R8 LMS GT3 eingetauscht hat,  monierte jedoch zwei weitere GT-Renner als nicht dem GT3-Reglement entsprechend. „Die Brüder Philippe und Christian Schmitter aus Frankreich, fahren in ihren Lamborghini und Porsche kurze Getriebeeinheiten die nicht für die Berg EM homologiert sind und das ist allgemein bekannt. So wurden uns EM-Fahrern Punkte weggenommen“.

Überhaupt finden sich nach dem sehr späten Rennende am Mont Dore, allein der erste Lauf hatte fünf Stunden gedauert, mindesten fünf Fahrer in der Resultatsliste der EBM, die zugleich in der separaten Ergebnisliste der französischen Meisterschaft auftauchen, jedoch mit abweichenden Gruppenbezeichnungen. Einmal in der EM geführt in der Gruppe GT, einmal in der nationalen Liste in der französischen Gruppe GTTS. Ähnliches findet man auch bei den Rennsportwagen. Einerseits Gruppe E2-SC, andererseits CN. Ein Umstand, der dem Gesamtsieger und neuen Streckenrekordhalter (2:12,286 min) Christian Merli aus Italien nur halbe EM-Punkte einbrachte, was eine Vorentscheidung im Kampf mit Landsmann Simone Faggioli um die EM-Krone der Kategorie 2 sein könnte.  Simone Faggioli in seinem Werks-Norma M20 FC V8 als Gruppensieger E2SC punktete dagegen voll, da hier die Mindeststarterzahl für eine volle Punktvergabe ausreichte. Neben den Fahrern aus dem Team Faggiloi sorgten zwei weitere französische Norma-Piloten für das benötigte Gruppenfeld, mit einem gewissen Beigeschmack.

Bereits am kommenden Wochenende zieht es den EM-Tross in die Schweiz zum Bergrennen St. Ursanne-Les Rangiers, bevor es zum Abschluss der Saison noch zweimal in den Süden geht. Die Rennen Ilirska Bistrica (03.09.) in Slowenien und Buzetski Dani (17.09.) in Kroatien werden die Entscheidung bringen. Christian Merli kann sich jetzt keine Sperenzchen mehr leisten. Die halben Punkte vom Mont Dore kann der Mann aus dem Trentino aber streichen. In der Kategorie 1 sieht es derzeit nach einem Zweikampf der GT-Piloten „Tessitore“ und dem Tschechen Jan Milon (BMW Z4 GT3) aus, der am Mont Dore einige Zähler auf den Österreicher vom Rechberg gut machen konnte. Nichtsdestotrotz  wird es in beiden Kategorien bis zum Saisonende sehr spannend bleiben.

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Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.