Marcel Steiner Kolumne: In St. Agatha Sturm und Regen getrotzt

27. September 2018

Gegen Saisonende werden die Anreisen zu den Rennen wieder etwas länger. Ins österreichische St. Agatha waren es rund 700 Kilometer. Diese schafften wir mit dem Anhänger von Robin Faustini im Schlepptau ohne größere Staus und erreichten unseren Platz im Fahrerlager am Freitag um halb vier Uhr in der Früh. Bei strahlendem Sonnenschein bauten wir unser Zelt auf. Die administrative Abnahme und die Streckenbesichtigung waren auch zügig erledigt, allerdings schaffte es kein technischer Kommissar, noch am Freitag bei mir vorbeizuschauen. Am Samstagmorgen war dann noch genügend Zeit, um dies nachzuholen. Wir waren bereits alle im Bett, als es draußen zu stürmen und regnen begann. Mit vereinten Kräften – vielen Dank an die Teams von Stefan Faulhaber und Patrick Orth – versuchen wir noch das Zelt besser festzubinden. Der Wind zwang uns aber, das Zelt nochmals komplett abzubauen und den LobArt in den Teambus zu verladen. Mit etwas Verspätung kamen wir zur Nachtruhe… Das Training begann zum Glück erst am Samstagmittag. So hatten wir ausreichend Zeit, um nochmals alles aufzubauen und einzurichten und die technische Abnahme zu passieren. Um etwa zwei Uhr startete ich zu meinem ersten Trainingslauf. Aus Erfahrung vom letzten Jahr wusste ich, dass der Start wenig Grip bieten würde. Doch es fühlte sich an wie auf Glatteis zu fahren; die Räder drehten durch und der LobArt beschleunigte nicht. Auch sonst war ich mit dem Fahrverhalten auf der Strecke nicht sonderlich zufrieden. Deshalb war ich total überrascht, dass ich mit 1:06,736 bloß 1.5 Sekunden langsamer fuhr als im Vorjahr. Nur 0.1 Sekunden schneller war Christoph Lampert (Osella FA30) und mit einer Sekunde Rückstand folgten Dusan Neveril (Norma/Judd) und Patrik Zajelsnik (Norma/Mugen). Für das zweite Training wählte ich andere Reifen. Der Start war nun geringfügig besser und auf der Strecke fühlte sich der LobArt richtig gut an. Zudem fuhr ich noch zwei Kurvenpassagen anders, was sich aber nicht bewährte. Im Ziel leuchtete in 1:04,262 auf, meine persönliche Bestzeit in St. Agatha. Das war zugleich die Trainingsbestzeit. Hinter mir reihten sich Zajelsnik (1:04,579), Neveril (1:06,359) und Lampert (1:06,841) ein. Was mich sehr erstaunte war der indirekte Vergleich der Motorenleistung: Ein Radar maß im Zielbereich die maximal erreichte Geschwindigkeit auf der Strecke. Ich fuhr 248 km/h, Patrik Zajelsnik 265 km/h, Dusan Neveril 246 km/h und Christoph Lampert 251 km/h. Gedanken über die Differenz kann sich jeder selber machen… Leider bestätigte sich die Wettervorhersage und auf Sonntag setzte Regen ein. Dieser hielt länger an […]

Marcel Steiner Kolumne: Fünfter Meistertitel am Gurnigel

14. September 2018

Nach dem Erfolg von Oberhallau hoffte ich auf eine ruhige Vorbereitung auf das Gurnigelrennen. Beim Check des LobArt Mugen stellte ich jedoch einen Defekt am Öltank fest. Um diesen zu beheben mussten wir wie heuer schon öfters den Motor ausbauen. Danach stand einem erfolgreichen Wochenende beim Heimrennen nichts mehr im Wege. Am Freitag kurz vor dem Mittag nahmen wir die Anreise unter die Räder. Das Installieren unseres „Boxenplatzes“ und die Wagenabnahme waren schnell erledigt. So konnte ich mich der Streckenbesichtigung mit anderen Fahrern und der technischen Vorbereitung widmen. Am Samstag stellte der Veranstalter einen strammen Zeitplan auf, der mein erstes Training kurz nach 10 Uhr vorsah. Durch diverse – durch übermotivierte Fahrer verursachte – Unterbrüche geriet der Zeitplan zwei Stunden in Rückstand, der bis zum Abend nicht mehr aufzuholen war. Kurz nach dem Mittag konnte ich starten. Die Anbremszone zur ersten Kurve sowie die Kurve selbst waren immer noch feucht vom Regen am Freitag und dadurch heikel zu befahren. Auf der restlichen Strecke kam ich gut zurecht und das Auto fühlte sich gut an. Im Ziel leuchtete 1:45,87, was fast der schnellsten Rennzeit vom Vorjahr entsprach. Einzig Eric Berguerand war mit seinem Lola-F3000 in 1:42,46 noch schneller. Hinter mir klassierte sich Christoph Lampert (Osella FA30, 1:46,60), der Rest des Feldes fuhr Zeiten über 1:50. Im zweiten Trainingslauf war es etwas wärmer und ich testete andere Reifen. Damit verbesserte ich mich auf 1:43,50 und verkürzte den Rückstand auf Eric (1:42,45) auf gut eine Sekunde. Christoph folgte mit 1:44,88. Zum dritten Probelauf konnte unser Feld erst nach 18 Uhr antreten. Unmittelbar vor den offenen Rennfahrzeugen war die Strecke mit Kühlwasser verunreinigt. Ich rückte wieder mit den Reifen aus dem ersten Training an. Wegen der beschmutzten Strecke erzielte ich in 1:45,96 meine schlechteste Trainingszeit. Lampert  war mit 1:45,38 leicht schneller und Berguerand trat erst gar nicht mehr an. Nach diesen Trainingsergebnissen war für Spannung am Renntag gesorgt. Bei sonnigem Wetter waren am Sonntag zwei Rennläufe angesetzt. Die geplanten Zeiten konnten perfekt eingehalten werden! Kurz nach 10 Uhr startete ich mit neuen Reifen und voll motiviert zum ersten Rennlauf. Die erste Kurve war immer noch ein wenig feucht. Die Vorderreifen im ersten Wäldchen boten noch nicht den perfekten Gripp. Danach konnte ich richtig attackieren und meine Fahrt bis zum Ziel genießen. Auf der Anzeige leuchtete 1:41,46, was nur gerade sieben Hundertstel über meinem Streckenrekord 2012 mit dem Osella FA30 lag. Doch ich war mir […]

Marcel Steiner Kolumne: Zwei Mal volle Punkte

31. August 2018

Die Woche zwischen den Bergrennen St-Ursanne und Oberhallau war zu kurz, die Zeit zu knapp und die Probleme am Mugen Motor zu groß, um einen Bericht zu schreiben. Dafür gibt’s jetzt zwei in einem. St-Ursanne – Les Rangiers: Die Strecke im Jura zählt zur Europa Bergmeisterschaft. Durch das stark international besetzte Starterfeld waren die Anspannung und Erwartung groß bei uns. Zudem jährte sich mein Unfall am 18. August 2013 bereits zum 5. Mal. Die Mutpassage von Les Grippons wurde seit letztem Jahr neu asphaltiert und die zwei Bodenwellen in der Kurvenmitte beseitigt. Mein 1. Trainingslauf verlief ganz ansprechend in 1.50.315 und ich reihte mich gleich hinter Christian Merli (Osella FA30, 1.44.953) und Simone Faggioli (Norma/Zytek, 1.46.890) ein. Hinter mir folgten Fausto Bormolini (Reynard-F3000, 1.52.845), Cyrille Frantz (Osella PA30, 1.55.972) und Diego Degasperi (Osella FA30, 1.56.380). Im 2. und 3. Training verbesserten wir von Lauf zu Lauf die Fahrwerksabstimmung und so konnte ich den Rückstand zu den zwei Topshots des europäischen Bergsports bei etwa 1 Sek/km halten. Jedoch rückten Bormolini, Degasperi und Frantz näher an mich heran. Beim Fahrzeugcheck am Samstagabend stellten wir noch einen durchgeschliffenen Unterboden am LobArt fest, was eine mühselige Reparatur nach sich zog. Aber ihr kennt ja inzwischen mein Team von Steiner Motorsport, die machen das locker! Am Renntag wollte ich mich ordentlich steigern. Doch bereits beim Start zum 1. Wertungslauf stotterte der Motor im 1. Gang und entfaltete nicht die volle Leistung, wie bereits im 3. Trainingslauf am Vortag. Bis „Le Malrang“, gelang mir ein guter Rennlauf. Ab Ausgang der „Spiegelkurve“ stotterte der Motor wieder und im restlichen Waldbereich konnte ich nicht mehr die volle Leistung nutzen. Am „Petit Susten“, in den drei Spitzkehren, war die Power des Motors wieder da. Trotz diesem Handicap erreichte ich das Ziel in 1.47.702, erneut hinter Simone Faggioli (1.42.710) und Christian Merli (1.44.101). Mit dieser Zeit war ich nicht gerade glücklich und zugleich sehr verunsichert, weil ich ein Video erhielt, auf dem der Motor stark rauchte. Ich befürchtete einen erneuten Motorschaden. Zurück im Fahrerlager machten wir uns auf die Suche nach der Ursache für die Probleme. Den Ölaustritt, der die Rauchfahne erzeugte, konnten wir lokalisieren, für die Aussetzer gab es jedoch kurzfristig keine Erklärung. Mit einem etwas mulmigen Gefühl startete ich zum 2. Rennlauf. Am Start erlebte ich genau dasselbe Szenario und auch ab „Le Malrang“ wieder Aussetzer und nicht volle Motorleistung. So war in 1.47.423 bloß eine minimale Steigerung möglich. Dies […]

Marcel Steiner Kolumne: Drei Mugen auf dem Podest von Osnabrück

8. August 2018

In der Woche nach dem Bergrennen von Anzère setzten wir den Mugen Motor wieder zusammen und bauten diesen in den LobArt ein. Am Samstag vom dem Osnabrück-Wochenende konnte ich das Triebwerk zum ersten Mal wieder zünden. Und am Dienstag war der LobArt inklusive Mugen verladebereit. Bereits am Mittwoch machten wir uns mit dem Teambus auf den Weg in den hohen Norden. Wir nutzten den 1. August, um in Anneau du Rhin die neuen Kolben und den Motor einzufahren und deren Funktion zu testen. Abgesehen von einer leeren Batterie im zweiten Stint funktionierte alles wie am Schnürchen. Der Motor verrichtete wieder seine guten Dienste. Somit konnten wir kurz nach sieben Uhr die Weiterreise Richtung Osnabrück antreten. Um drei Uhr morgens erreichten wir das Fahrerlager. Einigermaßen ausgeschlafen bezogen wir am Donnerstag früh unseren perfekten Platz hinter dem Rennbüro, in nächster Nähe zum Start. Sogleich machten wir uns ans Ausladen der Autos und Aufstellen des Zeltes. Am Rennwagen standen noch einige Kontrollarbeiten an, die immer mal wieder durch lockere Gespräche unterbrochen wurden. Abends lud der Veranstalter die Teams zu einem netten Grillabend am Borgloher See. Am Freitag genossen wir einen freien Tag auf Shoppingtour durch Osnabrück… Wie in den letzten Wochen üblich, begrüßte uns der Samstag wolkenlos und warm. Und über Tag sollte es noch richtig heiß werden. Beim 1. Trainingslauf entschied ich mich für alte Reifen, um ein erstes Mal die Strecke zu besichtigen. Direkt vor meinem Start wurde der Trainingsbetrieb unterbrochen und ich musste von der Startlinie zurückgeschoben werden. Guy Demuth (Norma/Zytek) verabschiedete sich nach einem „Touchierer“ am Reifenstapel bereits aus dem Favoritenkreis. LobArt und ich fühlten uns aber bereits sehr wohl auf der Strecke und in 52.815 Sekunden konnte ich gleich eine Bestzeit setzen, die um eine Sekunde schneller war als meine beste Rennzeit aus 2017. Hinter mir reihten sich Christoph Lampert (Osella FA30, 53.848), Sebastien Petit (Norma/Mugen, 54.528), Milos Benes (Osella FA30, 55.033) und Patrik Zajelsnik (Norma/Mugen, 55.048) ein. Mit anderen alten Reifen versuchte ich es im 2. Probelauf. Bereits in der ersten Kurvenkombination merkte ich, dass das Griplevel nicht wie vorher und wie gewünscht war. Im Ziel war ich somit wenig erstaunt über meine Zeit von 54.136 Sekunden. Sebastien (52.164), Patrik (53.267) und Christoph hatten mich überholt. Milos verabschiedete sich durch einen Reifenstapel-Kontakt nach dem Ziel in der Schikane – mit einem ähnlich defekten Auto wie Guy schied er aus dem Rennen. Wir bauten sofort wieder auf die anderen Reifen zurück, um […]

Marcel Steiner Kolumne: Das Maximum aus dem Martini geholt

26. Juli 2018

Nach dem Rennen von Massongex lief es etwas hektisch im Team Steiner Motorsport. Erst musste der Motorschaden analysiert und verkraftet werden. Danach galt es, die Teile rasch zu beschaffen und abzuwägen, mit welchem Auto ich beim Bergrennen von Anzère fahren solle. Zwar wären die neuen Kolben am Donnerstag vor dem Rennen fertig gewesen, doch die Passung stimmte nicht ganz und es wäre nochmals sehr hektisch geworden bis zum Start… So hielten wir am Plan fest mit dem „Ersatzwagen“, dem altbewährten Martini MK 77 BMW, in Anzère zu fahren. Da ich noch bis Freitag vor dem Rennen in der Garage zu arbeiten hatte, reisten mein Vater Heinz und Peter Sägesser bereits am Donnerstag an, um alles vorzubereiten. Vielen Dank den beiden! So konnte ich mich auf die Streckenbesichtigung und danach voll auf das Fahren konzentrieren. Nach dem nächtlichen Regen war die Strecke am Morgen bereits komplett trocken. Ich freute mich, den 1. Trainingslauf mit dem Martini zu starten und war gespannt, was ich mit diesem Auto rausholen konnte. Ich musste mich in kürzester Zeit umgewöhnen und es fehlte etwas Power im Vergleich zum LobArt. Trotz der alten Bereifung hatte ich großen Fahrspass und fühlte mich gleich wieder „zu Hause“. Mit einer Zeit von 1.36.733 war ich bereits rund eine Sekunde schneller als beim letzten Einsatz 2010 im schnellsten Rennlauf. Eric Berguerand (Lola-F3000, 1.32.834) stellte die überlegene Bestzeit auf, ansonsten schaffte es kein Fahrer unter 1.40. Ohne eine Veränderung am Auto aber mit etwas mehr Angewöhnung steigerte ich mich im 2. Training um 2.1 Sekunden auf 1.34.651. Eric gelang dies im gleichen Masse auf 1.30.535. Hinter uns klassierten sich Philip Egli (Dallara- F3, 1.36.410), Robin Faustini (Reynard- F3000, 1.37.284) und Marcel Maurer (Formel Renault, 1.38.091).Da ich in beiden Trainingsläufen in der schnellsten Passage im 5. Gang jeweils am Drehzahlbegrenzer fuhr, verlängerte ich die Getriebeübersetzung. Als alles wieder bereit war für den 3. Probelauf, erreichte uns die Nachricht, dass der Zeitplan etwas aus dem Ruder liefe und wir am Sonntagmorgen unseren Lauf nachholen könnten. Nachts regnete es erneut, doch die Piste war am Sonntagmorgen trocken. Mit anderen Reifen und höherem Top Speed konnte ich 1.33.745 realisieren. Berguerand verzichtete auf dieses „Warm-Up“, Maurer, Faustini, Egli und Amweg (Lola- F3000) fuhren alle 1.37. Die Pause zum 1. Rennlauf war nur kurz. Um den Martini rennbereit zu stellen mussten alle Handgriffe sitzen. Das war für mein Team aber kein Problem! Mit neuen Reifen rückte ich zum 1. Rennlauf […]

Tribute to Georg Plasa beim Goodwood Festival of Speed 2018

21. Juli 2018

Beim 25. Goodwood Festival of Speed feierte der legendäre BMW 320 Judd V8 des 2011 bei einem Bergrennen in Italien verstorbenen Ausnahmebergrennfahrers Georg Plasa sein Comeback. KW-Geschäftsführer Klaus Wohlfarth und Georg Plasa verband eine enge Freundschaft. Als Andenken an den Oberbayer baute ein Team von KW-Angestellten den BMW 320 Judd V8 wieder auf. Zur Jubiläumsausgabe des Goodwood Festival of Speed wurde das Team samt des Rennwagens vom Veranstalter, Charles Gordon-Lennox, 11. Duke of Richmond, eingeladen. Bei der britischen Motorsportveranstaltung startete der BMW nicht etwa als Showprogramm, sondern nahm ganz im Sinne von Georg Plasa am Wettbewerb teil. In Großbritannien sorgte der BMW für eine Überraschung. Mit einer Zeit von 46,43 Sekunden war der alte Dreier BMW das schnellste Fahrzeug mit herkömmlichem Verbrennungsmotor und musste sich nur den Elektro-Rennwagen Volkswagen I.D. R Pikes Peak (43,86 Sekunden) und dem Elektro-Sportwagen NIO EP9 (44,32 Sekunden) im „Shootout-Finale“ geschlagen geben. Für die europäische Bergrennsport-Community ist Georg Plasas BMW der Sieger der Herzen. Ein absolutes Ausnahmetalent im europäischen Bergrennsport war Georg Plasa. Wie kaum ein anderer hat er die internationale Bergrennsport-Gemeinde geprägt und das nicht nur durch seine zahlreichen Streckenrekorde. Der stille Mann aus Warngau war einer der ersten der in seinem Tourenwagen Ende der 1990er Jahre und Anfang der 2000er Jahre Formel-1-Technik einsetzte. Noch heute sind viele seiner Streckenrekorde gültig. Georg Plasa verunglückte bei einem Bergrennen mit seinem BMW 134 Judd tödlich. Als Andenken an den beliebten Sportler und bodenständigen Menschen übernahm KW-Geschäftsführer Klaus Wohlfarth, den mit dem Oberbayern eine enge und lange Freundschaft verband, den alten BMW 320 Judd V8. Zwar wurde der Rennwagen regelmäßig gepflegt, um an Georg Plasa zu erinnern, aber der Wagen war nicht rennfertig. Es fehlten viele Komponenten wie etwa Aufhängungs- und Anbauteile sowie zahlreiche Kleinteile. Schwierig gestaltete sich der Wiederaufbau in den Wintermonaten 2017 / 2018, da es sich dabei größtenteils um Einzelanfertigungen handelte die man nirgends kaufen konnte. Beispielsweise nutzte Georg Plasa beim BMW 320 Judd Reifen mit einer einzigartigen Mischung auf Felgen in einer Größe, die davor und danach nie wiederhergestellt wurden. Auf Anfrage fertigte der Reifenhersteller Avon für den BMW mit den alten Formen neue Reifen. Aber auch andere Partner wie etwa Recaro stellte einen neuen Schalensitz zur Verfügung, da die Zulassung des bis 2009 von Georg Plasa eingesetzten Rennwagen abgelaufen war. Den Wiederaufbau übernahmen KW-Angestellte und Diplomanden in ihrer Freizeit und auch ehemalige Teamkollegen von Georg Plasa unterstützten den Fahrwerkhersteller. Den Auftritt des BMW 320 Judd […]

Marcel Steiner Kolumne: Schall und Rauch in Massongex

16. Juli 2018

Schon im Vorfeld lief es etwas unüblich um das Bergrennen von Massongex (Schweiz). Lange gab es vom Veranstalter weder Infos noch eine Nennliste. Diese wurde erst nach dem Rennen von Reitnau veröffentlicht. Das Fahrerlager war zudem erst Freitag spät beziehbar und auch die Wagenabnahme musste im Nachbarort absolviert werden. So machte ich mich am Freitag erst nach dem Mittag auf den Weg ins Wallis. Weil ich sechs Jahre nicht mehr auf der technisch sehr anspruchsvollen Strecke von Massongex gefahren war, machte ich als erstes eine Besichtigung. Danach absolvierte ich die Wagenabnahme und später richteten wir den Fahrerlagerplatz ein. Weil nicht viele Autos und Fahrer gemeldet waren und diese bloß in zwei Startgruppen aufgeteilt waren, stand mein 1. Trainingslauf schon recht früh morgens an. Das Einlenken in die erste Kurve gelang sehr gut, beim Herausbeschleunigen war jedoch kein Grip da und der LobArt stand quer. Der Rest war eine „gemütliche Besichtigungsfahrt“, die in 1.53.227 gemessen wurde. Nur Christian Balmer (Formula Master) schaffte die Bergstrecke mit 1.59.696 noch knapp unter zwei Minuten. Eric Berguerand (Lola-F3000) konnte seinen Motor zum Training leider nicht starten. Im 2. Probelauf vor der Mittagspause fühlte ich mich schon viel wohler auf der Strecke und auch der Rennwagen war bereits etwas besser abgestimmt. Dies resultierte in 1.50.977. Erneut gelangen auch Christian Balmer (1.58.829) und dem schnellsten Tourenwagenfahrer, Ronnie Bratschi, (Mitsubishi EVO 8, 1.58.917) eine Zeit unter zwei Minuten. In der Mittagspause schwärmte ich noch bei meinem Team, wie kräftig und zuverlässig der Mugen Motor doch gehe und der LobArt sich recht schnell über die winklige Piste wuchten ließe. Für das 3. Training rückte ich mit einer neuen Fahrwerksabstimmung und anderen Reifen aus. Das Auto fühlte sich nun besser an, wobei die Zeit in 1.51.286 schlechter wurde. Bereits im oberen Streckenteil merkte ich, wie der Mugen im Heck anders klang. Ich konnte es jedoch nicht gleich einordnen, denn die Leistung war noch da. Nach der Zieldurchfahrt roch ich allerdings verbranntes Oel und am Wendepunkt zur Rückführung qualmte es dann schon unter der Motorabdeckung. Mit einem Streckenposten demontierte ich sofort die Heckverschalung, um nach dem Schaden zu sehen. Ausser ein wenig verspritztem Öl war nichts erkennbar. Zwei Fahrer, die auf die Rückführung gewartet hatten, informierten mich gleich über Rauch aus dem linken Auspuff. Zurück im Fahrerlager stellten wir einen Riss am Kolben vom 7. Zylinder fest. Dies bedeutete den ersten technischen Ausfall mit dem LobArt/Mugen überhaupt. So brachen wir verfrüht […]

Marcel Steiner Kolumne: Erster Streckenrekord mit dem LobArt

14. Juni 2018

Es war eine strenge und kurze Woche nach Ecce Homo für mich und mein Team. Nach der schnellen tschechischen Strecke mussten wir das Set-Up am LobArt für das langsame Hemberg-Rennen modifizieren. Der Steiner Motorsport-Teambus inklusive Rennwagen und Material fuhr bereits am Donnerstag wieder Richtung Toggenburg, um unseren tollen Fahrerlagerplatz bei der Garage Theo Keller zu beziehen. Alle Einrichtarbeiten und die Wagenabnahme erledigten mein Vater Heinz und  Peter Sägesser, damit ich am Freitag noch bis Werkstattschluss arbeiten konnte. Danach reiste ich nach, um vor der Dunkelheit noch kurz die Strecke zu besichtigen. In Hemberg angekommen erfuhr ich, dass mein größter Rivale, Eric Berguerand, das Rennen kurzfristig abgesagt hatte. Vor dem 1. Trainingslauf am Samstag besichtigte ich nochmals die Piste. Auf dem Weg zum Start stellte ich fest, dass die Straße an den schattigen Stellen vom nächtlichen Regen noch nicht ganz getrocknet war. In diesen Passagen war noch etwas Vorsicht geboten. Ansonsten fühlte sich die Fahrt ansprechend an und im Ziel stand die Anzeige bei 56.73. Kein anderer Teilnehmer schaffte die Strecke unter einer Minute und in diesem Moment wünsche ich mir mehr Konkurrenz. Es gab zwei Möglichkeiten – das Rennen eher gelassen nehmen oder versuchen, den Streckenrekord anzugreifen. Und wer mich kennt weiß: ich entschied mich für das Zweitere. Die knapp 8.000 Zuschauer und meine Gegner verdienten einen Wettkampf, bei dem ich mich maximal für den Rennsport einsetzte. Für den 2. Probelauf veränderte ich das Set-Up des LobArts nur sehr gering. Die Strecke bot aber massiv mehr Grip. Weil sich Peter Ammann vor mir gedreht hatte, wurde ich mit der roten Flagge angehalten und letztlich mit 2.38 Minuten gemessen. Zwischen dem 2. und 3. Training befreite ich zunächst mit dem Föhn die Reifen vom alten Gummi, entschied mich dann aber trotzdem für einen anderen Reifensatz. Die Unterstützung von Jörg Müller (21 Jahre Werksfahrer bei BMW) motivierte mich zusätzlich. Der LobArt fühlte sich gut an. Ich attackierte und realisierte eine Zeit von 54.99, also gleiches Niveau wie in 2017 im Rennen. Da ich die Reifen noch etwas schonen wollte, wechselte ich wieder auf die anderen zurück, die mich im 4. Versuch in 55.69 Sek. ins Ziel trugen. Kurz nach vier Uhr hatten wir unsere Trainingsläufe bereits absolviert und konnten so den Renntag vorbereiten. In der Nacht auf Sonntag regnete es nochmals. Zwar begrüßte uns der Morgen mit Sonnenschein, aber wie tags zuvor war die Strecke teilweise noch feucht. Für das gesamte Feld stand noch […]

Marcel Steiner Kolumne: Mein dritter Platz in Ecce Homo

11. Juni 2018

Nach fünf Jahren Pause vom tschechischen Berg EM-Lauf in Ecce Homo (CZ) konnte ich bei wechselhafter Witterung am 3. Juni 2018 den 6. Gesamtrang erkämpft  und mir den dritten Platz der eigenen Kategorie sicheren. Hie meine Erlebnisse, „geng wie geng“ im persönlichen Rennbericht. Wegen der Anreise von über 1.100 Kilometern machten wir uns bereits am Mittwoch nach Arbeitsschluss auf die Reise nach Tschechien. Zum ersten Mal seit geraumer Zeit fährt „Housi“ wieder mit, der schon früher meinen Vater auf die Rennstrecken begleitet hatte. Das freut mich sehr, denn nach den technischen Problemen in Eschdorf war ich mir nicht mehr sicher, ob ich in Ecce Homo überhaupt starten soll. Die zahlreichen Zusprüche und Begleitung meiner treuen Fans haben mich aber sehr motiviert, doch hinzufahren. Auf der Fahrt wechseln wir uns am Steuer ab. So erreichen wir am Donnerstag um 10 Uhr mit dem Teambus das Fahrerlager. Dort werden wir bereits vom Veranstalter erwartet und zu unserem Platz geleitet. Bei schon recht warmen Temperaturen richten wir unsere Basis für die nächsten Tage ein. Ansonsten verläuft dieser Tag noch locker und ich habe Zeit, mir die 7.8 Kilometer lange Strecke nochmals einzuprägen. Am Freitag stehen noch einige kleine Arbeiten am LobArt, eine weitere Streckenbesichtigung und die Wagenabnahme an. Samstagfrüh um halb sieben checke ich mein Handy und ein großer Schreck durchfährt meine Glieder. Ich sehe das Bild eines fürchterlichen Unfalls auf der Rennstrecke. Wie wir später erfahren werden, ist ein illegales „Rennauto“ bei einer unerlaubten Trainingsfahrt frontal mit dem privaten PKW einem Rennfahrer kollidiert. Der Fahrer des illegalen Fahrzeugs ist noch auf der Stelle verstorben. Wegen der Bergungsarbeiten verschiebt sich der Trainingsbeginn um eine Stunde auf 9 Uhr. Nach fünf Jahren Pause nehme ich endlich die Bergstrecke von Ecce Homo wieder unter die Räder! Es herrschen sommerliche Temperaturen und das 1. Training harzt: Das Set-Up des LobArt passt noch überhaupt nicht auf die zum Teil holprige Piste. Das Auto setzt zum Teil heftig auf. Ich realisiere eine Zeit von knapp unter drei Minuten; auf Christian Merli (Osella FA30) fehlen mir 13 Sekunden, auf Simone Faggioli (Norma-Zytek) und Milos Benes (Osella FA30) 8 Sekunden. Für den 2. Trainingslauf stellen wir die Federrate und Fahrzeughöhe des Rennwagens rigoros um. Das Fahrverhalten ist besser und ich finde mehr Vertrauen in Auto und Strecke. Ich steigere mich um 5.5 Sekunden auf 2.54.23, verkürze den Rückstand auf 12 Sekunden und fahre damit auf Platz fünf. Bei der Streckenbesichtigung am Sonntagmorgen […]

Marcel Steiner Kolumne: Voll motiviert hin, gefrustet zurück aus Eschdorf

12. Mai 2018

Nach dem ansprechenden Resultat vom Rechberg waren mein Team und ich motiviert und zuversichtlich, auch in Eschdorf um das Podest zu kämpfen. Die versammelte Konkurrenz aus Frankreich, Belgien, Luxemburg und Slovenien machte es uns aber nicht leicht. Wir waren nur als kleine Delegation unterwegs, daher war die Stimmung im Team sehr entspannt. Schnell war unser Fahrerlagerplatz eingerichtet und ich konnte die Strecke besichtigen. Mit der Wagenabnahme hatten wir grosses Glück; wir brachten sie reibungslos über die Bühne, während andere zum Teil lange in der Kolonne stehen mussten. Gegen Abend lösten wir am Formel Nissan von Sascha Herz noch ein Problem an der Wippschaltung. Samstagfrüh stand nochmals eine Streckenbesichtigung an. Es war fast Mittag, als wir zum 1. Trainingslauf antreten konnten. Ich war sehr gespannt, wie sich der LobArt auf dieser Strecke nun anfühlen würde. Doch bereits nach wenigen Kurven war ich sehr enttäuscht: Das Auto untersteuerte massiv und ich konnte keine Geschwindigkeit aus den Kurven mitnehmen. So realisierte ich bloss die viertschnellste Zeit mit 1.8 Sek. Rückstand auf die Bestzeit, hinter drei Normas und knapp vor einem Osella. Im 2. Probelauf versuchten wir über die Fahrzeughöhe das Untersteuern zu beheben. Der LobArt verhielt sich aber nur geringfügig besser. Ich fuhr zwar um eine Sekunde schneller, doch der Rückstand auf die Spitze wuchs auf 2.3 Sek. an. Zudem fiel ich hinter Cyrille Frantz im neuen Osella PA30. Im 3. Training wollte ich weitere Änderungen am Fahrwerk ausprobieren. Die Elektronikprobleme vom Rechberg meldeten sich aber zurück und ich konnte den Motor am Vorstart nicht mehr anlassen. Also schleppten wir den Rennwagen zurück ins Fahrerlager und. suchten noch bis weit in die Nacht den Elektronikfehler, leider erfolglos. Nach einer wiederholten Streckenbesichtigung am Sonntagmorgen standen vor dem Rennen noch einige Arbeiten am LobArt an, die mein Team perfekt und zeitgerecht ablieferte. Die kürzere Übersetzung und das Set-up passten besser auf die Sprintstrecke von Eschdorf. Ich konnte mich auf 50.601 steigern und reihte mich hinter Sébastien Petit (Norma-Mugen, 48.260 Streckenrekord) und Patrik Zajelsnik (Norma-Mugen, 49.232) ein. Beim 2. Rennlauf musste ich mich an der Startlinie noch etwas gedulden. Wegen Ölflecken im Vorstartbereich haben die Organisatoren erst die gesamte Strecke auf weitere Verunreinigungen geprüft. Mein Einsatz und weitere Adaptionen am Fahrwerk zahlten sich in 50.075 aus, womit ich den 3. Platz halten und mich 0.3 Sek. vor Jelle De Coninck positionieren konnte. Vor meinem Start zum 3. Wertungslauf hörte ich über den Lautsprecher, die meisten Fahrer […]

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